20. März 2026
14:00 - 19:00

Menschenrechte in der öffentlichen Debatte


Menschenrechte in der öffentlichen Debatte
Medienstrategien zur Verteidigung von Demokratie und Meinungsfreiheit

 

Das digitale Zeitalter hat neue Formen der Beteiligung am politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben hervorgebracht, zugleich aber auch Herausforderungen für die Meinungsfreiheit geschaffen. Aktuelle politische Entwicklungen zeigen, wie weitreichend die Macht von Bigtech-Plattformen wie X oder Meta, durch Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung, dem illiberalen Umbau von Politik und Staat in die Hände spielt. Desinformation, Fake News und Deep Fakes bedrohen die Meinungsfreiheit, ebenso wie die intransparente Inhaltsmoderation großer Online-Plattformen und ihre Zusammenarbeit mit autoritären Regimen. Darüber hinaus verstärken Algorithmen extreme Positionen und heizen die Polarisierung an.

Mit der Veranstaltung sollen Menschenrechte - vor dem Hintergrund der Veränderungen in der digitalen Medienwelt - als nicht verhandelbare Säule der demokratischen Ordnung in einen zeitgemäßen Rahmen gesetzt werden. Wie groß ist die Bedrohung durch die Macht der Big Tech-Plattformen? Welche geeigneten Strategien für Medien und Zivilgesellschaft zur Verteidigung von Demokratie und Meinungsfreiheit können daraus abgeleitet werden?

 

VORTRÄGE:

 

STEPHANIE KRISPER (Juristin und Politikerin):
Toxische Infosphäre versus Menschenrechte - was hat die Politik zu tun?

Die dramatischen Veränderungen in der Medienwelt, die unter dem Einfluss mächtiger Player steht, gefährden Menschenrechte und Demokratie. Was kann und muss die Politik tun?

 

LADISLAUS LUDESCHER (Wissenschafter, Goethe Universität Frankfurt):
Vergessene Welten und blinde Flecken
Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens

Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens ist eklatant. Nur etwa 10 Prozent der Sendezeit in den reichweitenstärksten Nachrichtensendungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entfallen auf den Globalen Süden, obwohl dort ca. 85 Prozent der Weltbevölkerung leben. Der Impulsvortrag stellt die wichtigsten Ergebnisse einer Langzeit-untersuchung von Leitmedien vor.

 

CORINNA MILBORN (Politikwissenschafterin, Journalistin, Infodirektorin ProSiebenSat1Puls4)
Faschismusmaschinen
Wie Social-Media-Monopole Radikalisierung pushen und Demokratie und Menschenrechte unterhöhlen

Corinna Milborn beschreibt soziale Medien und Plattformen wie Meta, Google/YouTube und TikTok als "Faschismusmaschinen": Sie seien nicht Räume des demokratischen Gemeinwesens, sondern werden von Algorithmen beherrscht, die durch Maximierung von Aufmerksamkeit Hass, Radikalisierung und Desinformation verbreiten und damit die Grundlagen von Demokratie und Menschenrechten zerstören.

 

LUIS PAULITSCH (Jurist und Medienethiker; DATUM STIFTUNG)
Propaganda gegen Menschenrechte? Kampagnen und Gegenstrategien

Im digitalen Raum fahren selbsternannte"Alternativmedien2 regelmäßig Kampagnen gegen bestimmte Personengruppen. Die Angriffe auf demokratische Institutionen beeinflussen zusehends die öffentliche Debatte. Wie kann die Gesellschaft hier gegensteuern?

 

 

WORKSHOPS:

 

Hyperlokalität als Gegenmodell zu algorithmischer Polarisierung
Elisabeth Bauer, Programm-Managerin bei fjum - (Forum Journalismus und Medien)

 

Menschenrechte verteidigen - Versuch einer praktischen Anleitung
SOS-Menschenrechte, Elke Aigner, Geschäftsführung und Bernd Blank, Projektleitung

 

Menschenrechte auf die Titelseite
Christine Tragler, Chefredakteurin Südwind-Magazin

 

Der Artikel 19 der Menschenrechte gewährleistet das Recht eines jeden Menschen auf freie Meinungsäußerung. Er bezieht sich auf die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Das digitale Zeitalter schafft unablässig Rahmenbedingungen, die schon bisher aufgrund der interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten gänzlich neue Formen der Beteiligung am politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben hervorgebracht haben. Die damit entstandene Infosphäre ist unverändert Projektionsfläche vieler Erwartungen an eine demokratische Erneuerung, spiegelt aber immer häufiger auch die Kehrseite einer auf Menschenrechte und Vielfalt bedachten Medienordnung wider.

 

Aktuell machen insbesondere die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Wiederwahl Donald Trumps zum US-Präsidenten deutlich, wie weitreichend die Macht der sogenannten Bigtech-Plattformen, hier vor allem Elon Musks Portal X und Marc Zuckerbergs Konzerngigant Meta, durch Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung dem illiberalen Umbau von Politik und Staat in die Hände spielt. Tatsächlich ist das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit mit Gefahren konfrontiert. Desinformation, Fake News und Deep Fakes zählen zu den Methoden von autoritären Regierungen sowie extremistischen Parteien und Interessengruppen zur Manipulation von Wahlen und gesellschaftlichen Debatten.

 

Als besonders bedrohlich erweist sich aber auch die anwachsende Einschränkung der freien Meinungsäußerung im Alltag. Die großen Online-Plattformen bevorzugen und entfernen Inhalte auf Basis intransparenter Kriterien. In autoritären Regimen arbeiten sie immer öfter mit Regierungen zusammen, um Andersdenkende zu überwachen oder zu zensieren. Schließlich ist auch darauf hinzuweisen, dass die Algorithmen extreme Positionen bewusst verstärken, die meist in Form von Hassreden, Gewaltaufrufen und diskriminierenden Inhalten zum Ausdruck gebracht werden und die Polarisierung noch weiter anheizen.

 

Ziel der Tagung ist es, Menschenrechte vor dem Hintergrund der Veränderungen in der digitalen Medienwelt als nicht verhandelbare Säule der demokratischen Ordnung in einen zeitgemäßen Rahmen zu setzen, die Bedrohung durch die Macht der Bigtech-Plattformen zu analysieren und verständlich zu machen sowie geeignete Strategien für Medien und Zivilgesellschaft zur Verteidigung von Demokratie und Meinungsfreiheit daraus abzuleiten.

 

Kooperationsveranstaltung mit DorfTV und VHS Linz

 

Weitere Infos

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20. März 2026
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