22. Oktober 2026
14:00 - 15:30

Demokratie und Emotionen


Demokratie lebt nicht allein von Verfassungen

 

Demokratie lebt nicht allein von Verfassungen, Wahlen und Institutionen. Sie lebt auch von Empathie, Verletzlichkeit und der Bereitschaft, um andere zu trauern. Doch was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn Angst, Härte und Gleichgültigkeit ihre politische Kultur prägen? Ausgehend von meinem Essay "Weinen vor Plastikblumen“ frage ich nach emotionalen Voraussetzungen demokratischen Zusammenlebens.

 

Der Vortrag verbindet persönliche Erfahrungen mit philosophischen und politischen Überlegungen und plädiert für eine Demokratie, die nicht auf Unverwundbarkeit, sondern auf Mitgefühl gründet.

 

Ausgehend von meinem gerade erschienenen Buch „"Weinen vor Plastikblumen“ (Wasser Publishing) frage ich nach emotionalen Voraussetzungen demokratischen Zusammenlebens.

 

Vedran Džihić, 1976 in Prijedor, Bosnien und Herzegowina, geboren; 2009 Doktorat in Politikwissenschaften an der Universität Wien. Senior Researcher am Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip), unterrichtet an der Universität Wien. Džihić ist Initiator politischer und zivilgesellschaftlicher Initiativen in Österreich und Südosteuropa. Zuletzt erschien der Essay „Ankommen“ (2024).

 

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe
"Wissen macht Demokratie" im Museumsquartier Raum D

Vedran Džihić: Weinen vor Plastikblumen 

"Bis heute frage ich mich immer wieder, ob man mit drei Worten die Welt heilen und Tränen der Angst, des Leids und des Schmerzes für immer stoppen kann? Kann man mit drei Worten die Liebsten vor der Welt und ihren Gefahren bewahren?"

‍Am 4. Mai 1980 – Vedran Džihić ist vier Jahre alt – findet ein Fußballspiel zwischen Roter Stern Belgrad (Serbien) und Hajduk (Kroatien) statt. Plötzlich die Nachricht: Tito ist gestorben – die Fußballer brechen weinend auf dem Rasen zusammen. Eine kollektive Trauer erfasst das ganze Land, und bis heute fragt sich Vedran Džihić : Waren diese Tränen echt?
Nun wagt er den Blick in seine eigene Geschichte des Weinens als Sohn, Vater, Mann und verknüpft sie mit großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Feinfühlig nähert er sich dem jungen Vedran, der nach Krieg und Flucht das Weinen verlernt
hat. Džihić enthüllt die Mechanismen der falschen Tränen von Diktatoren, erzählt von Momenten der Rührung mit seinen Töchtern, wundert sich über Männlichkeitsmythen – und feiert das Weinen als subversive Kraft, die uns sichtbar werden lässt: als Menschen.  [Verlag: Wasser Publishing]

 

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