Werner Wintersteiner, Univ.-Prof. i.R. der Universität Klagenfurt; Gründer des Zentrums für Friedensforschung und Friedensbildung; Deutschdidaktiker und Friedenspädagoge. Schwerpunkte: Literatur, Politik, Frieden; Fokus Alpen-Adria-Region; Friedenspädagogik/Global Citizenship Education; literarische Bildung.
Statement
Beim Stichwort Demokratie denke ich immer an einen Satz von Oskar Negt, der mich schon lange begleitet: „Kein Mensch wird als politisches Lebewesen geboren; deshalb ist politische Bildung eine Existenzvoraussetzung jeder friedensfähigen Gesellschaft.“ Negt beschreibt hier eine enge Verbindung von Demokratie, Frieden und Bildung. Das ist m.E. tatsächlich der Kern: Demokratie als die institutionalisierte Form des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten, die in jeder Gesellschaft notwendigerweise entstehen und die, richtig behandelt, ihre Entwicklung beleben. Damit das gelingt, müssen wir permanent an einer Kultur des Friedens arbeiten. Auch um zu verhindern, dass Demokratie im Inneren sich mit Gewalt nach außen koppelt. Friedensbildung ist daher, wie ich meine, die wirksamste Verteidigung der Demokratie. Und ohne Demokratie, also ohne das Recht sich zu informieren und die eigene Meinung öffentlich zu äußern, ohne das Recht politisch für die Durchsetzung der eigenen Anliegen einzutreten, wäre unser Leben arm und bedrückend.
