Ruth Wodak

Ruth Wodak

Demokratie und Populismus

Ruth Wodak ist Sprachsoziologin und Diskursforscherin und emeritierte Professorin für angewandte Sprachwissenschaften der Universität Wien und der Lancaster University. Wodak gilt als eine der Entwicklerinnen der kritischen Diskursforschung. Sie forscht zu Kommunikation in Institutionen, Identitätspolitik, Gender Studies, politischer Kommunikation, Populismus und Vorurteilen.

Statement

Eine liberale (pluralistische) Demokratie verbindet Volkssouveränität und Mehrheitsherrschaft mit freien Medien, unabhängiger Justiz, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenrechten. Es gibt freie und faire Wahlen, d.h., es muss die Möglichkeit gewährleistet sein, dass die Opposition gewinnen kann. Besonders wichtig sind mir die in der Verfassung verbrieften Menschenrechte, Kinderrechte und Minderheitenrechte. Wenn liberale Demokratien schleichend abgebaut werden, kommt es zur langsamen, manchmal schamlosen Normalisierung von Tabubrüchen und Konventionsüberschreitungen. Gegendiskurse und Widerstand bleiben häufig aus, Empörungsmüdigkeit macht sich breit. Viele checks und balances werden außer Kraft gesetzt. Populismus beruht auf einer bestimmten arbiträren Definition des „Volkes“. Rechtspopulistische Parteien tendieren zu einer nativistischen Definition, nämlich der Imagination eines sogenannten „echten/wahren“ Österreichers /Deutschen/Finnen, usw. Dieses völkische Moment schließt viele Menschen von demokratischer Partizipation aus, auch solche, die die jeweilige Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrecht besitzen. Es geht daher in Richtung Ethnonationalismus im Gegensatz zur einer pluralistischen und liberalen Demokratie.

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