Martin Schenk

Demokratie und Armut

Martin Schenk ist Psychologe, Sozialexperte und stv. Direktor der Diakonie Österreich. Er ist Mitinitiator zahlreicher sozialer Initiativen wie der Armutskonferenz, Hunger auf Kunst und Kultur oder dem Sozialrechtsnetz, Autor mehrerer Bücher zu den Themen Armut, Sozialstaat, Integration und Gesundheit.

Statement

Die soziale Schere schneidet ins Vertrauen der Demokratie hinein und zerstört politische Mitbestimmung. „Mit meiner Stimme kann ich bei Wahlen die Zukunft Österreichs mitbestimmen“ – das sagen 50 Prozent des ökonomisch stärksten Drittels, aber nur 28 Prozent des schwächsten. Und nur die Hälfte des ärmsten Drittels der Bevölkerung geht wählen, aber 80 Prozent des reichsten Drittels. Die Mehrzahl der einkommensschwachen Menschen hat den Eindruck, ihre Stimme zählt nicht. Kein Wunder. Auch viele gesetzliche Maßnahmen übersehen den ärmsten Teil der Bevölkerung oder schaden ihm sogar: Kürzungen bei Mindestsicherung, Sparbudgets zu Lasten der Ärmsten, unleistbares Wohnen. Armut beschädigt das Ansehen der Demokratie und behindert Mitbestimmung. Demokratie hingegen bedeutet ernst genommen zu werden – egal ob man krank ist oder gesund, ob man alt ist oder jung, ob man in der Stadt wohnt oder auf dem Land, ob man viel Geld hat oder wenig. Eine lebendige Demokratie verlangt: hörbar und sichtbar mehr Stimmen gegen Armut!

Nach oben scrollen