Kenan Güngör ist Soziologe, Integrations- und Migrationsforscher sowie Gründer von think.difference in Wien. Er forscht und berät zu Migration, Integration, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Demokratie und Extremismusprävention.
Statement
Demokratie ist kein Selbstläufer, sondern eine sehr voraussetzungsreiche, fragile Errungenschaft, für die eingestanden und die verteidigt werden muss. In meiner Forschung und Beratung beschäftige ich mich mit demokratie- und menschenrechtsfeindlichen Einstellungen in der Migrationsgesellschaft. Dabei vertrete ich einen differenzierten Zugang: Demokratiefeindlichkeit gibt es sowohl in Teilen der Aufnahmegesellschaft – etwa in Form von Rechtsextremismus, Rassismus oder autoritären Tendenzen – als auch in Teilen von Migrantengruppen, etwa durch religiösen Fundamentalismus, Antisemitismus oder patriarchale Wertvorstellungen. Beides muss gleichermaßen benannt werden. Zu lange wurde das Thema von rechten Kräften politisch bewirtschaftet, während progressive Milieus problematische Entwicklungen innerhalb einzelner Migrantengruppen oft ausblendeten. Dadurch verliert die demokratische Mitte an Orientierung und Glaubwürdigkeit. Ich setze mich dafür ein, gesellschaftliche Herausforderungen empirisch fundiert, ohne Relativierung und ohne Pauschalisierung zu analysieren und damit eine offene, wehrhafte und pluralistische Demokratie zu stärken.
