Jörg Flecker war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2024 Professor für Soziologie an der Universität Wien. Er ist Mitglied des Rates für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung FORWIT der Bundesregierung sowie Vorsitzender der gemeinnützigen Medienagentur für Wissenschaftskommunikation "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz".
Statement
Demokratie und Rechtsstaat sind zentrale Prinzipien, welche die Qualität unseres Lebens und das unserer Mitbürger:innen unmittelbar bestimmen. Doch für die abstrakten Prinzipien lassen sich Menschen schwer motivieren. Es muss anschaulich gemacht werden, warum wir ihre Umsetzung in Österreich sowohl verteidigen als auch ausbauen müssen. Aus Romanen wie "Dunkelblum" (Menasse) oder "Zeit der Mutigen" (Dinev) habe ich ein einfaches Gedankenexperiment gewonnen: "Stellen Sie sich vor, der unangenehmste, rücksichtsloseste und brutalste Mensch, den Sie kennen oder den Sie sich vorstellen können, kann als Polizist:in, als Lokalpolitiker:in etc. plötzlich mit Ihnen und anderen tun, was er will, ohne dass von staatlichen Stellen oder einer politischen Opposition Hilfe zu erwarten wäre." Klarerweise ist das nicht die einzige Gefahr - denken wir an Monopolisierung politischer Macht und die Bereicherung kleiner Gruppen von Herrschenden auf Kosten der Vielen. Dennoch können solche praktischen Beispiele helfen, unmittelbar greifbar zu machen, was Demokratie und Rechtsstaat für das Alltagsleben bedeuten.
