Barbara Prainsack

Demokratie und Digitalisierung

Barbara Prainsack ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien und leitet die Kommission für Demokratie in digitalen Gesellschaften an der ÖAW. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gesundheits-, Forschungs- und Technologiepolitik. Seit 2022 ist sie Vorsitzende der European Group on Ethics, die die Europäische Kommission berät.

Statement

Demokratie besteht nicht nur aus freien Wahlen, sondern aus der aktiven Mitgestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens durch alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Status oder Einfluss. Demokratie lebt von Teilhabe, Transparenz und gegenseitigem Respekt. Sie schützt Minderheiten, fördert Gerechtigkeit und schafft Räume, in denen Konflikte friedlich und fair ausgetragen werden können. Wenn demokratische Strukturen geschwächt werden, verlieren Menschen nicht nur den Schutz vieler Rechte, sondern auch das Vertrauen in öffentliche Prozesse und Institutionen. Es entsteht ein Klima der Angst, Unsicherheit und Entfremdung. Marginalisierte Gruppen werden weiter an den Rand gedrängt, und die Fähigkeit der Gesellschaft, Konflikte zu lösen, schwindet. Im digitalen Zeitalter kommt noch etwas dazu: Wer Zugang zu Daten hat und darüber entscheidet, wie sie genutzt werden, beeinflusst gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich. Deshalb braucht es eine demokratische Kontrolle über digitale Technologien und Infrastrukturen – nicht nur im Sinne technischer Regulierung, sondern als Teil einer breiteren Aushandlung darüber, wessen Interessen im digitalen Raum zählen.

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