Demokratien weltweit in Gefahr? Das klingt reißerisch – ist es aber nicht.

Von Bündnis 2025

2007 führten die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Demokratie ein, der jährlich am 15. September begangen wird. Der Tag soll für alle Menschen Anlass sein, um die Demokratie zu feiern. Zudem soll die Öffentlichkeit für das Thema Demokratie sensibilisiert werden.

Demokratien weltweit in Gefahr? Das klingt reißerisch – ist es aber nicht.

21. September 2026Beitrag zum Internationalen Tag der Demokratie von Gerda Neyer

2007 führten die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Demokratie ein, der jährlich am 15. September begangen wird. Der Tag soll für alle Menschen Anlass sein, um die Demokratie zu feiern. Zudem soll die Öffentlichkeit für das Thema Demokratie sensibilisiert werden.

Seit den 2000er Jahren ist die Zahl der demokratisch regierten Länder drastisch zurückgegangen. Erstmals seit den 1970er Jahren gibt es mehr autokratische Regime als demokratische. Von den 179 Ländern der Welt wurden 2024 bereits 92 autokratisch regiert – 2004 waren es noch 82.

Erstmals gibt es auch mehr als doppelt so viele Länder, die auf der Schwelle zur Autokratie stehen, als Länder, die auf dem Weg zur Demokratie sind. Das geht mit massiven Einschränkungen von Rechten der Bevölkerung einher.

Quelle: www.v-dem.net

Vor 20 Jahren lebte noch die Hälfte der Weltbevölkerung in einem Land mit demokratischem Wahlrecht – 2025 waren es nur noch rund ein Viertel. Berücksichtigt man nicht nur das Wahlrecht, sondern auch zivile Freiheitsrechte, dann leben nur noch 7% der Weltbevölkerung in Ländern, die politische und liberale Rechte respektieren.

Frauen sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen. In rund einem Viertel aller Länder weltweit wurden seit 2000 die Rechte von Frauen eingeschränkt. Erstmals seit mehr als 10 Jahren ist 2025 die Zahl der Länder, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften kriminalisieren, angestiegen. In bis zu 35 europäischen Ländern sind LBGTIQ+ Rechte eingeschränkt oder es gab keine Fortschritte in der Gewährung von Rechten. Angriffe auf die freie Meinungsäußerung von Frauen gilt als eine der 20 größten Bedrohungen durch Autokratien.

Quelle: https://rainbowmap.ilga-europe.org

Die Einschränkung von Frauenrechten geht oft schleichend und auf Umwegen vor sich. Seit Beginn der 2000er Jahre hat sich die Zahl der Länder, die geburtensteigernde oder geburtenkontrollierende Maßnahmen gesetzt haben, massiv erhöht. Kontrolle über die Reproduktion von Frauen, die Einschränkung ihrer reproduktiven Rechte und die Manipulation ihrer reproduktiven Freiheit durch Bevölkerungspolitik ist eines der Merkmale, die den Weg von Demokratien zu Autokratien vorzeichnet.

Doch es gibt auch Hoffnung: Weltweit engagieren sich Frauen und liberal denkende Menschen zivilgesellschaftlich. Sie protestieren trotz der Gewalt der Autokratien gegen sie; sie wehren sich gegen autokratische Tendenzen und Maßnahmen, wie z.B. die Proteste der Gen Z in Myanmar und Nepal, die Kakerlaken-Bewegung in Indien, der Widerstand gegen das Mullah-Regime in Iran, um nur einige Beispiele zu nennen.

Auch in Österreich haben sich die Frauen*solidarität, viele andere NGOs und zivilgesellschaftlich engagierte Personen zum „Bündnis 2025 – Demokratie verteidigen“ zusammengeschlossen.

In diesem Herbst sind wir wieder bei der Demokratiewoche vom 19.-26. Oktober 2026 dabei:

  • am 21. Oktober 2026 findet „From Voice to Power“ im MQ statt, bei dem ein Kurzvideo über die Frauen*räte in Budapest gezeigt wird und diese dann mit Initiatorin Eva Bördös diskutiert werden;
  • am 16. und 17. November 2026 findet ein Training zu Bürger_innenräte statt, um Raum für Empowerment und die Entwicklung eines dauerhaften Frauenrats im Grätzl anzustoßen;
  • und ein Gräzlwalk führt zu zivilgesellschaftlichen und demokratischen Orten in der Nachbarschaft der @c3bibliothek

Mach mit – und beteilige Dich an „Demokratie und Frauenrechte verteidigen“

Gerda Neyer ist Politikwissenschafterin und Demographin, Vorstandsmitglied der feministisch-entwicklungspolitischen Initiative Frauen*Solidarität, Wien.

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